Mark Cuban, ehemaliger Mehrheitseigentümer der Dallas Mavericks und weiterhin Anteilseigner des NBA-Franchises, hat mit seiner Position zum Thema „Tanking“ eine Debatte ausgelöst und dabei unbeabsichtigt auf ein strukturelles Problem hingewiesen, das die Sportwettenbranche direkt betrifft.
Cuban argumentiert in seinen Beiträgen auf Twitter, dass sich die NBA weniger Gedanken über absichtliche Niederlagen machen sollte, sondern sich stattdessen auf Ticketpreise und das Fanerlebnis konzentrieren müsse. Seiner Meinung nach suchen Fans vor allem gemeinsame Erlebnisse mit Familie und Freunden – nicht nach Siegen oder Niederlagen. „Tanking“, also das bewusste Verlieren von Spielen, um eine bessere Position in der Draft zu erreichen, betrachtet er als eine legitime Strategie im Teambuilding. Er selbst habe diese Strategie während seiner 23 Jahre bei den Mavericks mehrfach angewendet und nennt die Verpflichtung von Luka Dončić als ein Ergebnis.
Sein Fazit: Die Liga sollte aufhören, „Tanking“ zu verurteilen und sich stattdessen auf die Verbesserung des Spielerlebnisses und die Erschwinglichkeit für Familien konzentrieren.
Der blinde Fleck: Sportwetten
Was Cuban in seiner Analyse völlig ausblendet, ist die Bedeutung des legalisierten Glücksspiels. Seit der Liberalisierung des US-Sportwettenmarktes im Jahr 2018 haben die Ligen milliardenschwere Deals mit Sportwettenanbietern abgeschlossen. Die NBA ist hier keine Ausnahme. Wer eine Wette auf ein Spiel platziert, geht von einer grundlegenden Annahme aus: Beide Teams versuchen ernsthaft zu gewinnen.
Gerade diese Annahme wird durch „Tanking“ untergraben. Dies ist kein Kavaliersdelikt, sondern ein Integritätsproblem mit unmittelbaren Konsequenzen für Millionen von Wettkunden. Ein Team, das bewusst nicht gewinnen will, verfälscht das Ergebnis aus Sicht des Wettmarktes genauso wie eine manipulierte Partie – auch wenn die Motivation eine andere ist. Mike Florio von Pro Football Talk bringt es auf den Punkt: „Tanking“ ist nur einen kleinen Schritt von Spielmanipulation entfernt.
Debatte um Integrität mit Eskalationspotenzial
Das Spannungsfeld ist offensichtlich: Die Ligen kassieren Werbemilliarden von Sportwettenanbietern, während sie „Tanking“ faktisch tolerieren. Dies kann nicht dauerhaft funktionieren. Wetter, die auf einen vermeintlich klaren Favoriten setzen und dann feststellen, dass Leistungsträger ohne ersichtlichen Grund auf der Bank sitzen, werden sich irgendwann rechtlich zur Wehr setzen – durch Beschwerden, regulatorische Maßnahmen oder Klagen. Florio warnt ausdrücklich: Ein größerer Skandal ist nicht eine Frage des Ob, sondern des Wann.
Die Sportwettenbranche hat ein berechtigtes Interesse daran, dass die Profiligen endlich verbindliche Regeln gegen „Tanking“ durchsetzen. Solange dies nicht geschieht, bleibt jeder Wettschein auf ein NBA-Spiel ein Produkt mit einem versteckten Integritätsrisiko.
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