Washington D.C. – Maßnahmen der Commodity Futures Trading Commission (CFTC) könnten in dieser Woche den Weg für eine Koexistenz von Prognosemärkten und traditionellen Sportwettenanbietern ebnen.
Branchenbeobachter sehen seit Monaten dieses Szenario als eine mögliche Entwicklung, da Prognosemärkte zunehmend in den Bereich der Sportwetten vordringen. Es wird erwartet, dass Prognosemärkte für einfachere Wettformen genutzt werden, während Sportwettenanbieter sich auf komplexere, sogenannte «Spieler-Props» konzentrieren könnten.
Diese Entwicklung dürfte jedoch nicht von allen Beteiligten begrüßt werden. Staaten, Stämme und Sportwettenanbieter, die nicht über die Ressourcen verfügen, um eine eigene Börse zu betreiben, könnten benachteiligt werden.
Die CFTC betont in einer aktuellen Empfehlung an die Designated Contract Markets (DCMs), dass Innovationen in Prognosemärkten gefördert werden sollen, diese jedoch im Rahmen des Commodity Exchange Act stattfinden müssen. Ein zentraler Punkt ist, dass gehandelte Derivatekontrakte nicht leicht manipulierbar sein dürfen. Einige «Spieler-Props» könnten unter diese Definition fallen, was zu weiteren rechtlichen Auseinandersetzungen führen könnte.
Sportverträge im Einklang mit dem CEA?
Unter dem Vorsitz von Mike Selig verfolgt die CFTC eine vergleichsweise liberale Haltung gegenüber Prognosemärkten, die Verträge auf Sportveranstaltungen anbieten. Eine striktere Auslegung des Commodity Exchange Act könnte jedoch dazu führen, dass solche Verträge gänzlich verboten werden, da das Gesetz die CFTC dazu verpflichtet, Kontrakte zu untersagen, die Glücksspiel, aber auch Themen wie Krieg oder Terrorismus betreffen.
Laut einer Stellungnahme hat sich die Praxis der Prognosemärkte im Sportbereich bisher weitgehend regelkonform entwickelt. Frank N. Fisanich, amtierender Direktor der Abteilung für Marktaufsicht der CFTC, erklärte, dass Verträge über Sportveranstaltungen in der Regel mit den Grundprinzipien der DCMs vereinbar sind, sofern das Ergebnis von der Gesamtleistung mehrerer Teilnehmer über einen längeren Zeitraum abhängt.
Problematisch sind demnach vor allem Verträge, die anfällig für Manipulationen sind. Die CFTC fordert die DCMs auf, zu prüfen, welche Arten von Ereignisverträgen ein erhöhtes Manipulationspotenzial bergen. Dazu könnten beispielsweise Wetten auf Verletzungen einzelner Sportler, unsportliches Verhalten oder Schiedsrichterentscheidungen gehören.
Die Auslegung dieser Passage ist jedoch interpretationsbedürftig. Verträge, die auf den Handlungen einzelner Personen basieren, könnten als umfassendes Verbot von «Spieler-Props» verstanden werden. Allerdings lassen Formulierungen wie «unsportliches Verhalten» oder «Schiedsrichterentscheidungen» Raum für die Fortführung von Über-/Unter-Wetten auf individuelle Spielerleistungen.
Die CFTC sucht den dialogue
Neben der Mitteilung an die DCMs hat die CFTC eine Vorankündigung eines Regelungsvorhabens (Advance Notice of Proposed Rulemaking, ANPR) veröffentlicht und bittet um öffentliche Stellungnahmen zur Regulierung von Prognosemärkten. Das 32-seitige Dokument enthält zahlreiche Fragen, um die Auslegung der eigenen Vorschriften zu erleichtern. Dieser Prozess bietet Raum für Interpretationen und dürfte wenig Anlass zur Hoffnung geben, dass Prognosemärkte im Sportbereich vollständig verboten werden.
Die CFTC hinterfragt auch die Definition von «Glücksspiel», das gemäß dem CEA als dem öffentlichen Interesse zuwiderlaufend angesehen werden könnte. Es wird geprüft, ob der Begriff «Glücksspiel» mit den Glücksspielgesetzen auf Bundes- und Staatsebene gleichzusetzen ist oder ob er weiter gefasst werden sollte. Auch die Unterscheidung zwischen verschiedenen Arten von Wettbewerben, beispielsweise zwischen Sportwettbewerben und Preiswettbewerben, wird diskutiert.
Die Frage, ob ein Vertrag über ein Sportereignis als Swap einzustufen ist, wird derzeit vor US-Gerichten verhandelt. Auch die CFTC selbst ist sich hier unsicher und bittet in der ANPR um Rückmeldungen zu relevanten Aspekten von Prognosemärkten und deren Unterscheidung zu anderen Arten von Swaps.
Es wird erwartet, dass die CFTC in den kommenden 45 Tagen eine Vielzahl von Stellungnahmen erhalten wird, die unterschiedliche Interpretationen der Begriffe «Glücksspiel» und «Swaps» beinhalten. Ob diese Argumente die CFTC jedoch zu einer Einschränkung der Prognosemärkte bewegen werden, bleibt abzuwarten.
