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In Kärnten gab es 2025 375 Firmeninsolvenzen.
In Kärnten gab es 2025 375 Firmeninsolvenzen.
375 Firmeninsolvenzen, 898 betroffene Arbeitsplätze und keine Entspannung in Sicht: Kärnten erlebt 2025 bereits das dritte Rekordjahr in Folge bei Unternehmenspleiten. Hohe Kosten, erschwerte Kreditbedingungen und eine schwache Nachfrage setzen die Unternehmen erheblich unter Druck.
Im Jahr 2025 wurden in Kärnten 375 Unternehmensinsolvenzen verzeichnet, eine Zahl, die kaum unter der des Vorjahres liegt. Dies bedeutet, dass Kärnten zum dritten Mal in Folge mit einem Rekordniveau an Pleiten konfrontiert ist. Die Ursachen hierfür sind vielfältig, wie die aktuelle Insolvenzstatistik des Alpenländischen Kreditorenverbandes (AKV) zeigt.
Hohe Kosten und geringe Nachfrage
Laut Angaben des AKV kämpften die Kärntner Unternehmen auch im Jahr 2025 mit bekannten Problemen: steigende Energie- und Personalkosten, eine zurückhaltende Konsumhaltung und eine hohe Inflation. Hinzu kommt, dass viele Unternehmen bereits hoch verschuldet sind und die Kreditvergabe weiterhin schwierig ist: Kredite werden schwerer verlängert oder gar nicht mehr gewährt.
Insolvenzzahlen auf Vorjahresniveau
Insgesamt bleibt die Anzahl der Unternehmenspleiten nahezu unverändert – im Jahr 2024 waren es 373, im Jahr 2025 dann 375. Der AKV betont dazu: „Im Vergleich zu anderen Bundesländern erreicht die Anzahl der Insolvenzen in Kärnten nicht das Niveau der Finanzkrise 2007/2008, jedoch sind die Auswirkungen der aktuellen Wirtschaftskrise nachhaltiger und tiefgreifender als zu Zeiten der Finanzkrise.“
898 Beschäftigte von Insolvenzen betroffen
Eine Insolvenz von dem Ausmaß der ASAP-Gruppe mit über 130 Millionen Euro an Verbindlichkeiten im Jahr 2024 blieb Kärnten im Jahr 2025 zwar erspart. Dennoch summierten sich die Verbindlichkeiten der insolventen Unternehmen auf rund 232 Millionen Euro (2024: 354,4 Millionen Euro). 898 Beschäftigte verloren dadurch ihren Arbeitsplatz oder mussten zumindest um ihn fürchten.
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Die größten Unternehmenspleiten in Kärnten im Jahr 2025
Die größte Unternehmenspleite in Kärnten im Jahr 2025 war die der Hermes Schleifmittel Ges.m.b.H. in Bad St. Leonhard im Lavanttal. 188 Arbeitsplätze waren betroffen, die Schulden beliefen sich auf rund 34 Millionen Euro. Darauf folgten die a. zoppoth haustechnik GmbH aus Gundersheim (rund 18,4 Millionen Euro Verbindlichkeiten) und die Klagenfurter EWO Bauträger GmbH (Passiva von rund 15,6 Millionen Euro).
Bekannte Insolvenzfälle in Kärnten
Im Jahr 2025 erregten auch einige prominente Insolvenzen in Kärnten Aufmerksamkeit. Mehrere Unternehmen rund um den Eventveranstalter Hannes Jagerhofer gerieten in finanzielle Schwierigkeiten und meldeten Insolvenz an, ihre Schulden summierten sich auf rund 9,3 Millionen Euro. Ein weiteres Beispiel ist die Insolvenz der MID Holding GmbH von Walter Mosser mit 12,2 Millionen Euro Verbindlichkeiten sowie die Hotelbetriebsgesellschaft von Heinz Marolt, die mit rund 1,2 Millionen Euro Schulden Insolvenz anmelden musste. Die AKV-Experten betonen, dass vielen der insolventen Unternehmen im Jahr 2025 schlichtweg die Liquidität fehlte. Um überhaupt eine Sanierung zu ermöglichen, mussten teilweise Rückzahlungen von 100 Prozent zugesagt werden.
Ungewöhnliche Insolvenz in Villach
Ein Insolvenzfall im Raum Villach verlief besonders ungewöhnlich. Die Dr. Dietrich Birnbacher GmbH meldete Jahre nach Beendigung der aktiven Geschäftstätigkeit Insolvenz an. Trotz einer angegebenen Überschuldung von rund 2,9 Millionen Euro meldete kein einziger Gläubiger Forderungen an – ein in dieser Form äußerst seltener Ablauf, wie der AKV schildert.
Deutlicher Anstieg der Insolvenzen in der Immobilien- und Baubranche
Ein Blick auf die Branchen zeigt klare Schwerpunkte, obwohl das hohe Insolvenzniveau laut AKV alle Wirtschaftsbereiche betrifft. Die Immobilienbranche verdoppelte ihre Insolvenzzahlen, die Baubranche legte um rund 30 Prozent zu. Auch wirtschaftliche Dienstleister gerieten häufiger ins Straucheln (+18,75 Prozent). Eine positive Überraschung gab es in den Branchen Gastronomie und Hotellerie: Diese verzeichneten deutlich weniger Pleiten als im Vorjahr (-33,33 Prozent), ebenso der Handel (-20 Prozent). Dennoch führen genau diese Bereiche weiterhin die Pleitestatistik an.
Auch Anstieg bei Privatinsolvenzen
Doch nicht nur Unternehmen kämpfen mit der aktuellen Wirtschaftslage. 687 Personen mussten 2025 in Kärnten Privatinsolvenz anmelden – ein Plus von gut vier Prozent im Vergleich zu 2024. Besonders auffällig: Immer häufiger werden Privatkonkurse direkt abgewiesen, da nicht einmal mehr genügend Geld für das Verfahren vorhanden ist. Die durchschnittliche Verschuldung bei Privatinsolvenzen sank zwar leicht auf rund 87.400 Euro (2024: 93.100 Euro), die Belastung bleibt jedoch hoch. Interessant ist auch, dass der Frauenanteil bei Privatinsolvenzen von 37,96 auf 41,32 Prozent stieg, während Männer mit einer durchschnittlichen Verschuldung von 103.300 Euro weiterhin stärker verschuldet sind.
AKV erwartet keine Verbesserung der Lage im Jahr 2026
Der AKV rechnet auch für das kommende Jahr nicht mit einer spürbaren Entspannung. Als Gründe nennen die Experten die anhaltende wirtschaftliche Schwäche, die schwierige Kreditvergabe und die Nachwirkungen der Pandemie und der Niedrigzinsphase. Abschließend zieht der AKV eine eher pessimistische Zukunftsprognose: „Die anhaltend hohe Inflation, die erschwerten Zugänge zu Krediten, das hohe Niveau an Teilzeitbeschäftigung und die steigenden Arbeitslosenzahlen belasten weiterhin viele Privatpersonen, sodass von einer zunehmenden Verschuldung ausgegangen werden kann. Der AKV rechnet daher bei den Privatinsolvenzen für 2026 mit einem weiteren Anstieg auf rund 700 Fälle.“
